projekte
MOTORTOWN

von Simon Stephens


eine
menzel/krawzcynski
produktion
stand: in vorbereitung

Danny kommt aus Basra zurück nach England. Im Irak hat er als Obergefreiter für sein Vaterland gedient. Jetzt ist er zu Hause, in Dagenham: „Motortown“, weil es hier mal eine Autoindustrie gab.
Im Irak wurde er Zeuge von Folterungen, die seine Kameraden an Gefangenen verübt haben. Und dieser Schock sitzt tief, tiefer noch als die Erinnerung an Tod und Todesangst. Danny findet keinen Anschluss mehr an das Leben, das er vor seiner Soldatenzeit geführt hat. "Ich komme heim, und es ist ein völlig fremdes Land." Seine Freundin will nichts mehr von ihm wissen, mit seiner Familie hat er gebrochen. Er wohnt erstmal bei seinem autistischen Bruder Lee. Alles, was er noch hat, sind Eigenschaften, die der Krieg ihm antrainiert hat: Härte, Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Aggression. "Und wie ich klar komme, bestens sogar", redet er sich und den anderen ein – und kauft sich eine Pistole. Dann kommt es, wie es kommen muss: Danny, das Opfer, wird zum Täter, foltert und tötet ein schwarzes Mädchen, das zu den Schwächsten der Gesellschaft gehört.

 

„Motortown“ ist ein Stück über England im Krieg und ein Stück über die Folgen des Kreuzzugs gegen den Terror. Gezeigt wird die Momentaufnahme einer Gesellschaft, die an einem weit abgelegenen Ort Krieg führt und sich sicher wähnt, dass er zu Hause keine Wirkung hinterlässt: „Ich wollte ein Stück schreiben, das finster, widersprüchlich und gewalttätig ist, weil unsere Kultur finster, widersprüchlich und gewalttätig ist. In diesem Sinn habe ich, so gut und so ehrlich ich konnte, ein Stück über England geschrieben. Den Krieg haben wir schließlich alle verschuldet. Ich glaube, dass er unvermeidbar war. Er ist ein Produkt des späten Kapitalismus, von ungetrübter Konsumkultur. Die Leute, die gegen den Krieg für Öl aufmarschierten, sind die gleichen, die ohne Bedenken mit Billigfluglinien herumreisen.
Wir alle sind nicht einverstanden, dass Menschen sterben, um die Ölvorräte zu sichern. Aber die westliche Gesellschaft ist nun einmal abhängig vom Öl. Man kann also nicht beides haben“.
(S. Stephens)